Der Orden der Lichtwacht

Der Orden der Lichtwacht ist der geistliche und wehrhafte Lichtorden der Markgrafschaft Silberwacht. In ihm vereinen sich Priester, Paladine, Heiler und andere Diener des Heiligen Lichts zu einer Gemeinschaft, deren Pflicht sowohl dem Glauben als auch dem Schutze der Menschen gilt. Sein Hauptsitz ist die Kathedrale zu Silberwacht mit ihrem Kloster, Hospiz, Lehrhaus, Friedhof und Ordensarchiv.

Wer in die Lichtwacht eintritt, findet eine geistliche Heimat, eine feste Gemeinschaft und eine umfassende Ausbildung. Novizen werden in der Lehre und Liturgie des Heiligen Lichts, im Lesen heiliger Schriften, in Heilkunde und Seelsorge unterwiesen. Hinzu treten, je nach gewähltem Wege, Waffenführung, Taktik, Bannkunde und das Verhalten gegenüber Untoten, Dämonen und anderen verderbten Mächten. Der Orden eröffnet sowohl den Weg des Priesters als auch jenen des Paladins und gewährt seinen Angehörigen die Möglichkeit, vom einfachen Noviziat bis in die höchsten Ämter der Lichtwacht aufzusteigen.

Doch nimmt der Orden niemanden leichthin in seine Reihen auf. Ruf, Gewissen und Beweggründe eines Bewerbers werden geprüft, ehe ihm das Ordensgewand anvertraut wird. Verlangt werden Demut, Treue, Wahrhaftigkeit, Gehorsam, Mäßigung und Standhaftigkeit. Ein Mitglied der Lichtwacht muss bereit sein, zu beten, zu dienen, zu heilen und, wenn mildere Mittel versagen, auch mit der Waffe für Schutzbefohlene und Glauben einzustehen.

Die Lehre der Lichtwacht ruht auf fünf Säulen: Schutz, Gerechtigkeit, Vergeltung, Heiligkeit und Mitgefühl. Keine dieser Säulen darf für sich allein stehen. Schutz ohne Gerechtigkeit wird zur blinden Nachsicht, Vergeltung ohne Mitgefühl zur Grausamkeit und Heiligkeit ohne Demut zum Hochmut. Darum soll ein Angehöriger der Lichtwacht nicht allein stark im Glauben sein, sondern auch weise genug, dessen Kraft mit Besonnenheit zu führen.

Zu den Aufgaben des Ordens zählen Gottesdienste, Seelsorge, Krankenpflege, Armenfürsorge und der Schutz Hilfloser und Verwundeter. Zugleich ist die Lichtwacht die erste geistliche Fachstelle der Mark bei Untoten, Dämonen, Besessenheit, Entweihung und unheiliger Verderbnis. Ihre Mitglieder vollziehen Weihungen, Läuterungen und Bannungen, schützen gefährdete Seelen und stellen sich jenen Mächten entgegen, wider welche gewöhnlicher Stahl allein nichts auszurichten vermag.

Bei magischen Vorfällen wirkt der Orden eng mit der Silbersphäre zusammen: Wo jene das Arkane untersucht, wacht die Lichtwacht über Seele, Weihe und Läuterung. Die Silberwehr und der Orden vom Duskveil übernehmen die öffentliche oder bewaffnete Sicherung, während die Lichtwacht Verwundete versorgt, Schutzstätten einrichtet und verderbte Einflüsse bekämpft. In Krieg, Belagerung und Seuche dient sie als geistlicher Beistand und heilende Hand innerhalb des Heerbannes.

Die Lichtwacht ist jedoch keine allgemeine Gerichtsbarkeit und keine zweite Silberwehr. Ihre Ordensgewalt gilt den eigenen Angehörigen; in weltlichen Dingen steht auch sie unter dem Rechte der Mark. Wo Festnahmen, Strafen oder die Anwendung weltlicher Gewalt erforderlich sind, handelt sie gemeinsam mit den hierzu berufenen Institutionen oder aufgrund ausdrücklicher Vollmacht.

Geleitet wird der Orden durch das Hohe Kapitel unter dem Hochwächter des Lichts, welcher die Lichtwacht zugleich im Regentschaftsrate vertritt. Sein silberner Schild mit der goldenen Wachtflamme verheißt Schutz in der Finsternis; die fünf Strahlen über der Flamme erinnern an jene fünf Säulen, nach denen jedes Mitglied sein Leben führen soll. Denn die Lichtwacht trägt das Licht nicht als Schmuck, sondern als Pflicht: den Schwachen zur Hoffnung, den Verwundeten zum Troste und der Finsternis zur Warnung.