Von der Markgrafschaft Silberwacht
Die Markgrafschaft Silberwacht liegt im südöstlichen Schwarzforst von Gilneas und umfasst in ihrer ganzen Gemarkung eine Fläche von ungefähr neunhundert Quadratkilometern. Sie ist ein Land von mancherlei Gestalt, darinnen sich herrschaftliche Höhe, städtisches Leben, fruchtbare Feldmark und dunkle Wildnis in enger Nachbarschaft begegnen. Ihrer Natur nach ist sie zugleich Wehrland, Küstenland und Nutzland, und eben daraus erwächst ihr eigener Charakter.
Der oberste Sitz der Herrschaft ist Caerdrath, die markgräfliche Hochdomäne, gelegen auf einem Bergplateau zwischen Nornordost und Nordost der Gemarkung. Dort erhebt sich Schloss Carnraith, die Residenz des Hauses Duskryn, weithin sichtbar über das Land. Caerdrath ist nicht bloß Wohnsitz der markgräflichen Familie, sondern zugleich der Hauptverwaltungssitz der gesamten Markgrafschaft, von welchem aus Recht, Befehl, Ordnung und Landesaufsicht ihren Ausgang nehmen. Als eigene bürgerliche Siedlung ist Caerdrath nicht zu verstehen; es ist vielmehr ein geschlossener Bezirk von Hof, Kanzlei, Dienerschaft und Verwaltung, dem nur eine geringe ständige Bevölkerung zukommt.
Zu Füßen des Berges, westlich von Caerdrath, liegt Silberwacht, die Hauptstadt der Markgrafschaft. Sie ist die größte und lebendigste Stadt des Landes, Mittelpunkt des bürgerlichen und handwerklichen Lebens, Sammelplatz des Handels im Binnenland und Hauptort der städtischen Ordnung. In ihr begegnen einander Markt, Werkstatt, Schenke, Amt und Gotteshaus; von hier aus wird der tägliche Verkehr des Landes getragen, und hier schlägt gleichsam das öffentliche Herz der Markgrafschaft.
Gegen Westen bis Südwestwesten liegt Grauhafen, die befestigte Hafenstadt der Markgrafschaft. Ihr Hafen ist Hauptumschlagplatz für den Seehandel und zugleich Mittelpunkt der Fischerei. Von Grauhafen aus empfängt das Land fremde Waren und führt die eigenen Erzeugnisse aus, weshalb der Ort an Bedeutung weit über seine Größe hinausreicht. Seine Mauern, Kaianlagen, Speicher und Anlegeplätze machen ihn zu einem der wichtigsten wirtschaftlichen Pfeiler der markgräflichen Herrschaft.
Am südlichen Fuße des Berges von Caerdrath breitet sich Dornbruch aus, ein düsteres Gebiet von dichtem Wald, Moorgrund und schwer gangbaren Wegen. Während im Norden dieses Landstrichs der Herrschersitz aufragt, stößt Dornbruch im Süden an das Meer. Seit der Übernahme der Markgrafschaft ist dieser Raum nur lose gebändigt und gilt als ein Gebiet unsicheren Friedens. Dort findet, wer das Verborgene sucht, leichter Pfad und Unterschlupf als anderswo. Schmuggler, Gesetzlose und allerlei zwielichtiges Volk mögen in seinen Schatten Zuflucht suchen, und es ist wohl abzusehen, dass sich um Dornbruch mit den Jahren manch dunkles Gerücht, manche Sage und allerlei Furchtgeschichte ranken wird. Eben darin liegt seine Gefahr, doch auch seine eigentümliche Stellung im Gefüge der Mark.
Die Weitenmark endlich umfasst das offene Land, welches nicht ausdrücklich Stadt oder Hochdomäne ist. Sie ist das breite, tragende Feld zwischen den benannten Orten und enthält Äcker, Weiden, kleinere Dörfer, Gutshöfe, Bauernhöfe, Streusiedlungen und ländliche Wege. Dort ruht der Hauptteil des Ackerbaus und der Viehzucht, und aus ihr fließen Korn, Fleisch, Wolle, Leder und andere lebensnotwendige Gaben in die Städte und an den Hof. So ist die Weitenmark die stille Grundlage des ganzen Landes, ohne welche weder Stadt noch Herrschaft auf Dauer bestehen könnten.
Was die Verteilung des Landes betrifft, so nimmt die Weitenmark den größten Anteil der Gemarkung ein und umfasst rund vierhundertdreißig Quadratkilometer. Dornbruch erstreckt sich über ungefähr zweihundertfünfzig Quadratkilometer. Der Bereich von Silberwacht samt unmittelbarer Stadtgemarkung und Vorland umfasst etwa neunzig Quadratkilometer, während Grauhafen mit Hafenanlagen, Küstenvorland und zugehöriger Flur ungefähr siebzig Quadratkilometer einnimmt. Die Hochdomäne Caerdrath selbst, mit Schlossbezirk, Verwaltungsbauten, Wegen und engstem Herrschaftsland, umfasst rund zwanzig Quadratkilometer. Der verbleibende Teil der Gemarkung entfällt auf Randflächen, Straßen, kleinere Gewässer, Küstenstriche und Übergangszonen.
Die Gesamtbevölkerung der Markgrafschaft Silberwacht beträgt nach vernünftiger Schätzung ungefähr sechsundzwanzigtausendvierhundert Seelen. Davon entfallen auf die Hauptstadt Silberwacht etwa zehntausendachthundert Seelen, auf Grauhafen ungefähr fünftausendeinhundert Seelen, auf die Weitenmark mit ihren Höfen, Weilern und kleinen Dörfern etwa neuntausendsechshundert Seelen, auf Dornbruch nur ungefähr sechshundertfünfzig Seelen, und auf Caerdrath selbst, mit Hof, Verwaltung und zugehöriger Dienerschaft, rund zweihundertfünfzig Seelen.
Hieraus erhellt, dass Silberwacht die größte Stadt und das öffentliche Herz des Landes ist, Grauhafen den wichtigsten Zugang zum Meer und zum Außenhandel darstellt, die Weitenmark das nährende Rückgrat des Landes bildet, Caerdrath die Spitze und Krone der Herrschaft verkörpert und Dornbruch als dunkler Saum der Mark einen Raum des Ungewissen, Versteckten und Gefährlichen darstellt.
Der Wohlstand der Markgrafschaft gründet sich vornehmlich auf vier Pfeiler. Der erste ist die Landwirtschaft der Weitenmark, welche Getreide, Vieh und die gewöhnlichen Früchte des Landes hervorbringt. Der zweite ist das städtische Handwerk und der Binnenhandel zu Silberwacht, in dem Verarbeitung, Verkauf und tägliche Versorgung zusammenlaufen. Der dritte ist der Seehandel und die Fischerei zu Grauhafen, wodurch die Markgrafschaft Anschluss an fremde Märkte und maritime Versorgung gewinnt. Der vierte sind die herrschaftlichen Güter von Caerdrath, sonderlich die dort befindliche Haupt-Whiskydestille, welche dem Hause Duskryn sowohl Ansehen als Einnahme verschafft. Demgegenüber trägt Dornbruch offiziell nur wenig zum geordneten Ertrag des Landes bei, doch mag dort im Verborgenen ein Schattenhandel gedeihen, der dem Gesetz entzogen bleibt.
Also zeigt sich die Markgrafschaft Silberwacht als ein junges, doch wohlgegliedertes Herrschaftsgebiet: oben die Hochdomäne Caerdrath mit Schloss Carnraith als Sitz des markgräflichen Hauses; darunter die Hauptstadt Silberwacht als Ort des öffentlichen Lebens; gegen Westen Grauhafen als Tor zur See; im Süden Dornbruch als düsterer Grenzsaum; und dazwischen die Weitenmark als nährender Leib des Landes. In solcher Ordnung ruht die Gemarkung, und aus solcher Ordnung mag ihre künftige Stärke erwachsen.