Dornbruch - Wo die Schatten tanzen

Wer Dornbruch betritt, lässt die geordneten Wege der Markgrafschaft hinter sich und tritt in ein Land aus Schatten, Moor und altem Unbehagen. Knorriger Mischwald, sumpfige Bruchwälder, Nebelmoore und schwarze Wasserläufe durchziehen das Gebiet, während versteckte Buchten an der Küste und halb vergessene Pfade das Gefühl nähren, dass Dornbruch seine eigenen Wege kennt und Fremde nur ungern duldet.
Bei Tage zeigt sich Dornbruch noch von seiner greifbareren Seite. Torfstecher, Holzhauer, Jäger, Kräutersammler und wenige Moorbauern ringen dem Land einen kargen Ertrag ab. Vereinzelte Forsthütten, Randansiedlungen und alte Wachttürme künden davon, dass hier Menschen leben, doch nie in großer Zahl und niemals in wirklicher Sicherheit. Selbst das Legale wirkt in Dornbruch rau, einsam und vom Nebel des Landes gezeichnet.

Mit der Dämmerung wandelt sich der Ton des Gebietes. Dann gewinnen verborgene Schmugglerlager, geheime Küstenpfade und dunkle Anlandungen an Gewicht. Zwischen morschen Stegen, schwarzen Wassern und verfallenen Lagerstätten erwacht jene zweite Welt, von der man in Silberwacht und Grauhafen nur hinter vorgehaltener Hand spricht. Schmuggler, Wegelagerer, Flüchtige, Ausgestoßene und andere Gestalten der Schatten finden hier Zuflucht, und über allem liegt das Gerücht um Silver, den ungekrönten König der Schatten, und seine Tochter, den Schattenrubin.
Zu den ältesten und unheimlichsten Orten Dornbruchs zählen ein verfallener Friedhof und ein Mondbrunnen aus grauer Vorzeit. Beide stehen wie stumme Zeugen eines Landes, in dem nicht nur Verbrechen, sondern auch Aberglaube, alte Geschichten und dunkle Erinnerungen tief verwurzelt sind. Dornbruch ist wild, tückisch und sagenumwoben, ein Ort, an dem das Land selbst den Eindruck erweckt, mehr zu wissen, als es preisgibt.
Dornbruch ist der dunkle Saum der Markgrafschaft Silberwacht. Wer ihn durchquert, spürt bald, dass hier nicht die Herrschaft regiert, sondern Nebel, Schweigen und das, was in beiden verborgen bleibt.